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Ottomar Domnick zum 100. Geburtstag
Kunstvermittlung als Mission. Ottomar Domnick und die Abstraktion
Festvortrag Dr. habil. Martin Schieder, Freie Universität Berlin
Samstag, 28. April 2007, 18.00 Uhr

Der Vortrag gibt Einblick in ein faszinierendes Kapitel der deutschen Kunstgeschichte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. In seinem Mittelpunkt steht der Sammler Ottomar Domnick, einer der großen Mentoren und Mäzene der abstrakten Malerei in Deutschland am Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre. Der figürlichen Kunst, insbesondere dem Expressionismus, der nach 1945 seine moralische und historische Rehabilitierung erfuhr, sprach Domnick jede Modernität ab: „Die geistige Entwicklung bewegt sich in Richtung zum Abstrakten“. Die Förderung und Verbreitung dieser damals in Deutschland umstrittenen Kunst wurden von ihm als pädagogische, ja missionarische Aufgabe verstanden: „Ich kam mir vor wie ein ‚Aufklärer‘, der um Jünger warb, die sich um ihn scharten. Ich wurde zum Sprecher einer Idee. Einer Idee von der abstrakten Kunst“.
Der selbstgewählten Aufgabe versuchte er durch Künstlerförderung und breite Kunstvermittlung mittels Ausstellungen, Vorträgen, Publikationen und Filmen gerecht zu werden. Sein besonderes Interesse galt dabei der Wiederaufnahme der deutsch-französischen Kunstbeziehungen. So zeichnete Domnick dafür verantwortlich, dass 1948 anlässlich des Salon des Réalités Nouvelles erstmals wieder deutsche Maler darunter Willi Baumeister, Fritz Winter und Rupprecht Geiger in Paris ausstellen. Bereits ein knappes Jahr darauf wanderte die von ihm organisierte Wanderausstellung Französische abstrakte Malerei mit Werken u.a. von Herbin, Soulages und Hans Hartung, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, durch sieben deutsche Städte. (M.S.)
PD Dr. habil. Martin Schieder
19851991
__ Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Klassischen Archäologie an der Freien Universität Berlin und Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
1994
__ Promotion an der Freien Universität Berlin (Jenseits der Aufklärung. Die religiöse Malerei im ausgehenden Ancien régime)
19941996
__ Wissenschaftlicher Volontär am Ludwig Museum Koblenz
19962001
__ Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin
19972001
__ Zweiter Direktor am Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris
MärzApril 2001
__ Paul Mellon Visiting Senior Fellow am Center for Advanced Study in the Visual Arts (CASVA) der National Gallery of Art in Washington
20012004
__ Wissenschaftlicher Assistent am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin
20012006
__ Leitung des Forschungsprojekts Französische Kunst im Nachkriegsdeutschland Deutsche Moderne in Frankreich nach 1945 am Deutschen Forum für Kunstgeschichte
2004
__ Habilitation an der Freien Universität Berlin (Im Blick des anderen. Die deutsch-französischen Kunstbeziehungen, 19451959)
seit 2004
__ Gastprofessur am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin
Forschungsschwerpunkte
__ Europäische Kunst des 18. Jahrhunderts
__ Deutsche und französische Kunst der Moderne und Gegenwart
__ Deutsch-französischer Kunst- und Kulturtransfer
Veröffentlichungen (Auswahl)
__ Jenseits der Aufklärung. Die religiöse Malerei im ausgehenden Ancien régime, Berlin 1997 (Berliner Schriften zur Kunst, Bd. IX)
__ Expansion / Integration. Die Kunstausstellungen der französischen Besatzung im Nachkriegsdeutschland, München und Berlin 2004 (Passerelles, Bd. 3)
__ Im Blick des anderen. Die deutsch-französischen Kunstbeziehungen 19451959, mit einem Vorwort von Werner Spies und einem Gedicht von K. O. Götz, Berlin 2005 (Passagen / Passages, Bd. 12) (ausgezeichnet mit dem Deutsch-französischen Parlamentspreis 2005 des Deutschen Bundestages und der Assemblée Nationale)
__ In die Freiheit geworfen. Positionen zur deutsch-französischen Kunstgeschichte nach 1945 (mit einem Vorwort von Thomas W. Gaehtgens), hrsg. von Martin Schieder und Isabelle Ewig, Berlin 2006 (Passagen/Passages, Bd. 13).
__ Publikationen zu Jean-Honoré Fragonard, François Boucher, Ernst Ludwig Kirchner, Willi Baumeister, Fernand Léger, Pablo Picasso u.a.
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